Das Alphorn

Ein geschichtlicher Streifzug sowie die Darstellung des Tonumfanges eines Alphorns.

 

Alphörner erfreuen sich heutzutage einer steigenden Beliebtheit. Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland und Österreich gibt es inzwischen eine große, ständig wachsende Zahl von Alphornbläsern. Auch in den USA, Kanada und Japan trifft man Alphornbläser. In unserer hochtechnisierten und immer komplizierter werdenden Welt scheint dieses einfache Naturinstrument für viele Menschen Einfachheit und Natürlichkeit zu verkörpern.
Das Alphorn kann als Prototyp der Blasinstrumente gelten. Obwohl es instrumentenkundlich aufgrund seiner Ton- erzeugung, die mit der der Blechblasinstrumente übereinstimmt, zu diesen gezählt wird, nimmt es eine Mittelstellung zwischen den Holz- und Blechblasinstrumenten ein. Sein Klang vereint die gewaltige Klangfülle eines Blechblas- instruments, etwa einer Posaune, mit der Weichheit eines Holzblasinstruments, etwa einer Oboe. Während alle anderen Blasinstrumente im Laufe der Zeit technische Weiterentwicklungen, z. B. in der Form von Grifflöchern und Ventilen erfuhren, hat das Alphorn bis heute seine ursprüngliche Form ohne wesentliche Veränderungen beibehalten. Heutige Alphörner sind im Durchschnitt ca. 3,5m lang und ihre Länge bestimmt die eine Tonart, in der sie spielbar sind. Auf dem Alphorn kann man nicht wie z.B. auf einem Klavier eine komplette Tonleiter spielen, sondern nur einen begrenzten Ausschnitt aus dieser, die so genannte Naturtonreihe.

 

*der 7. Naturton B, der 13. As und der 14. B klingen in unserer heutigen temperierten Stimmung zu tief ** der 11. Naturton F, das sogenannte „Alphorn-fa“ (französ. Fa=F), ist stark zu hoch und liegt zwischen F und Fis. Der 1. Ton und die Töne über dem 12. sind ziemlich schwierig hervorzubringen.

Die ca. 12 einzelnen Töne werden nur durch unterschiedliche Lippenspannung und Atemdruck erzeugt, ohne Zuhilfenahme technischer Mitteln, wie z.B. Grifflöcher oder Ventile wie bei anderen Blasinstrumenten. Dies erfordert vom Bläser hohe Sensibilität, Lippen- u. Atemkraft. Deswegen werden auf dem Alphorn meist lange und tiefe Töne gespielt, jedoch sind bei entsprechender Übung und Fertigkeit auch virtuose, schnelle Tonbewegungen möglich.

 

Ursprung und Verbreitung:

Nach landläufiger Meinung gilt das Alphorn als typisches Schweizer Nationalinstrument und wird als eine Schweizer „Erfindung“ und auf die Schweiz beschränkt angesehen. Der erste Teil der Aussage kann als unbestrittene Tatsache gelten, während die beiden weiteren Aussagen nicht zutreffen.
Wann und wo wurde das Alphorn erfunden und gespielt? – eine oft von Bläsern und Alphornliebhabern gestellte Frage, die leider unbeantwortbar ist und wenig Sinn macht. Irgendwann und irgendwo in der Urzeit der Menschheit tutete einer unsere Vorfahren (oder auch mehrere) in ein hohles Stück Holz, in einen abgebrochenen und irgendwie ausgehöhlten Ast oder kleinen Baum, und erweckte so den ersten Alphornton zum Leben. Auf welchem Kontinent oder gar in welchem Land dies geschah, ist heute nicht mehr feststellbar, wahrscheinlich auf jedem, denn solche einfachen, dem Alphorn entsprechenden hölzernen Blasinstrumente sind weltweit anzutreffen, ob es sich um von Termiten ausgehöhlte australische Didgeridoos, indianische Bambus- oder andere Holztrompeten, von denen der deutsche Komponist und Musiktheoretiker Michael Praetorius übrigens schon im Jahre 1619 berichtet, oder um afrikanische Holzhörner, die meist quer wie Querflöten angeblasen werden, handelt.
Diese in ihren Anfängen noch recht kurzen Instrumente hatten mehrere Funktionen als Gebrauchsinstrumente: Verscheuchen von wilden Tieren, Feinden und Dämonen, gegenseitige Verständigung und Nachrichtenübermittlung (das „Handy“ der Seinzeit) und auf einer höheren Entwicklungsstufe, als die Menschen begannen sich Tiere dienstbar zu machen, als „Arbeitsinstrumente“ der Hirten, mit denen sie das Vieh antrieben und lenkten.
Die Hirtenhörner früherer Zeiten waren nur etwa halb so lang wie die heutigen Alphörner, die im Durchschnitt ca. 3,5 m lang sind. Dementsprechend waren auf ihnen auch meist nur ca. 4-6 Töne spielbar, im Gegensatz zu den heutigen langen Hörnern, auf denen ca. 12 oder auch mehr Töne spielbar sind, je nachdem über wie viel Ansatzkraft ein Bläser verfügt. Sie genügten jedoch mit diesen wenigen Töne vollkommen ihrem Zwecke der Signalgebung.
In Europa gab es früher Alphörner in unterschiedlichsten Formen von der Schweiz bis nach Schweden von Russland bis Rumänien. Leider starben diese einfachen Naturinstrumente spätestens bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in den meisten europäischen Ländern fast völlig aus - auch in der Schweiz! Zum Alphornwettblasen in Unspunnen in der Nähe von Interlaken traten im Jahre 1805 gerade noch 2 Bläser an, und im Jahre darauf schließlich nur noch ein Einziger. Durch Fördermaßnahmen wurde jedoch das Alphornblasen in der Schweiz wieder ziemlich schnell „reanimiert“ und populär. Hier sind in erster Linie die Verdienste von Ferdinand Fürchtegott Huber, Heinrich Szadrowsky und Alfred Leonz Gassmann zu würdigen.
In der Schweiz ist das Alphorn zum ersten Mal mit Sicherheit durch den Fund eines ca. ½ m langen Holzhorns um 14oo bei Meilen und Mitte des 16. Jahrhunderts durch die Aufzeichnungen des Zürcher Naturgelehrten Conrad Gesner dokumentiert. In Österreich berichtet im Jahre 1380 zum ersten Male der Mönch von Salzburg vom hölzernen Kchuhorn, in Deutschland wurde in Parchim (Brandenburg) ein Holzhorn aus dem 11/12. Jahrhundert gefunden. Ein interessantes schräg angeblasene Holzhorn ist das Middewinterhorn, das im niederländisch/deutschen Grenzgebiet heute noch geblasen wird und vermutlich bis und die Zeit der Kelten zurück reicht. Von den Thüringer Hirten wurde das hölzerne Hirtenhorn bis in die 1970er Jahre beim Weidebetrieb geblasen und es fand bis 1973 ein alljährliches Wettblasen der Hirten statt. Im Schwarzwaldstädtchen Villingen erklingt alljährlich am Heilig Abend das Herterhorn, das übrigens in der Form genau dem Schweizer Alphorn entspricht und ca. 1,5m lang ist. Dieser Brauch geht auf ein Gelübde zurück, das die Villinger im Jahre 1765 anlässlich einer Viehpest ablegten.
In Polen trifft sich jedes Jahr am 2. Adventssonntag eine große Schar von Ligawkagläsern zum Wettblasen. Ligawka, Bazuna und Trembita sind die Namen der zwischen 1,5 und 4m langen polnischen Holzhörner. In Russland ist eine Fülle von hölzernen Hörnern anzutreffen, das interessanteste ist das sibirische Payze, bei dem der Ton nicht durch Blasen, sondern durch Einsaugen der Luft in das Instrument erzeugt wird. In Rumänien trifft man auf 5 verschiedene Typen des Buciums, das dort meist von Frauen geblasen wird, da diesen die Weidewirtschaft obliegt, und so populär ist, dass es im Jahre 1961 sogar auf einer Briefmarke abgebildet wurde.

 

Quelle: Franz Schüssele, Aus dem Buch: Alphorn und Hirtenhorn in Europa.

www.alphorn-center.de

 

 

Mit welcher Stimmung spielt das Mariazeller Alphornquartett ?

Wir spielen mit einem F-Horn welches in Österreich und Deutschland am gebräuchlichsten ist.

Das F-Horn hat eine Länge von 3,68 Meter.

In der Schweiz ist das Horn in Ges verbreitet und hat eine Länge von  3,47  Meter.